eGov Benchmark: Digitaler EU-Binnenmarkt braucht stärkere Transformation

Europas Vielfalt und Einfallsreichtum ermöglichen Innovationen im öffentlichen Sektor, aber was können Staaten tun, um die Erwartungen der Bürger zu erfüllen? Der eGovernment Benchmark beleuchtet, wie öffentliche Dienstleistungen „doppelt so gut, aber für die Hälfte weniger“ angeboten werden können.

Europas digitale Diagonale

Europas öffentlicher Sektor muss den Ausbau seiner Online-Dienstleistungen spürbar beschleunigen, um die Erwartungen der Bürger und Unternehmen an digitale Verwaltungsdienste zu erfüllen. Der dreizehnte eGovernment Benchmark Report offenbart eine „digitale Diagonale“, eine Reihe von Ländern vom Süd-Westen in den Nord-Osten Europas, die hierbei über dem europäischen Durchschnitt liegen.

Seit 2001 untersucht die Europäische Kommission, wie öffentliche Dienste in Europa "doppelt so gut, in der Hälfte der Zeit, für die Hälfte der Kosten" transformiert werden können. Der Gesamtdurchschnitt des aktuellen Benchmarks von 34 teilnehmenden Ländern zeigt eine vorsichtige Beschleunigung in der Umsetzung von eGovernment-Angeboten.

Der Benchmark bewertet vier aus der digitalen Agenda der EU abgeleitete Indikatoren:

  1. wie verfügbar und nutzerfreundlich öffentliche eServices sind (Nutzerzentriertheit)
  2. wie sich Servicevorgänge gestalten (Schlüsseltechnologien)
  3. wie die Kontrolle der Nutzer über ihre persönlichen Daten aussieht (Transparenz) und
  4. wie verfüg- und nutzbar grenzüberschreitende Services für Bürger und Unternehmen sind (grenzüberschreitende Mobilität).

Die vier zentralen Indikatoren werden jährlich wechselnd anhand von insgesamt sieben konkreten Lebenslagen für Unternehmen und Bürger untersucht, die eine Interaktion mit öffentlichen Stellen notwendig machen. Aktuell analysiert wurden regelmäßige Verwaltungstransaktionen von Unternehmen, Nutzung eines Kfz, Umzug sowie Verfahren zur Erhebung geringfügiger Forderungen.

Während der Background Report eine detaillierte Analyse der Indikatoren und Lebensereignisse gibt, enthält der Insight Report aktuelle Kernergebnisse und Empfehlungen.

 

 

Die wichtigsten Ergebnisse: Fortschritt bei Transparenz, Nachholbedarf bei Nutzerorientierung

Im Zeitverlauf haben sich Werte in allen bisherigen Benchmarks positiv entwickelt. Und doch wird die Schere zwischen der digitalen Diagonale, also den Wegbereitern der digitalen Verwaltung mit Island, Norwegen, Schweden, Finnland, Dänemark, Estland, Lettland, Litauen, Deutschland, Österreich, der Niederlande, Belgien, Luxemburg, Frankreich, und den restlichen europäischen Ländern größer.

Die wichtigsten Ergebnisse:

  1. Europaweit: Online-Dienstleistung im Steuerbereich und die elektronische ID entwickeln sich europaweit am schnellsten. Die hier weitestgehend sehr gut umgesetzten Serviceangebote umfassen unter anderem eGovernment-Angebote zur Körperschaftssteuer, Mehrwertsteuererstattung und Bußgeldverfahren.
  2. Deutschland: macht Fortschritt bei Transparenz und hat Nachholbedarf bei Nutzerorientierung. Im Bereich der transparenten Verwaltung konnte Deutschland im europäischen Vergleich den größten Entwicklungssprung nachweisen – für Unternehmen vor allem bei regelmäßigen Verwaltungstransaktionen und für den Bürger beim Umzug. Nachholbedarf gibt es weiterhin bei der Nutzerzentriertheit, wo Deutschland unter dem EU-Durchschnitt im hinteren Mittelfeld liegt. Bemängelt werden vor allem die geringe Benutzerfreundlichkeit sowie der benötigte Zeitaufwand zur Erledigung der Online-Services durch die Anwender in den vier untersuchten Lebenslagen.
  3. Österreich: führend bei nutzerzentrierter und transparenter Verwaltung. Auf nationaler Ebene zeigen viele der EU28+Länder gute Ergebnisse bei der Nutzerorientierung – in der Spitzengruppe liegen in diesem Jahr neben Österreich auch Estland, Portugal, Finnland und Malta. Den größten Entwicklungssprung zeigten Österreich und Estland, während Nutzerzentriertheit in Portugal und Spanien seit 2012 stagniert und die Länder so einige Plätze im Ranking verlieren.
  4. Grenzüberschreitende Angebote: Die Kluft im Bereich „grenzüberschreitende eGovernment-Angebote“ zwischen Service für Unternehmen und Bürger ist groß. Die Angebote für Unternehmen sind hier sehr viel breiter und besser als für die Bürger umgesetzt. Diese Kluft ist über die Jahre in allen untersuchten Staaten größer geworden. Erklärung hierfür ist, dass vor allem bei Transaktionen zwischen staatlichen Einrichtungen und Unternehmen (Business2Government-Transaktionen) die Fallzahlen höher und die Professionalisierung auf beiden Seiten ausgereifter sind, was die technische Umsetzung einfacher macht. 

 

Öffentlicher Bereich auf dem Weg zur Verbesserung seines Reifegrades

   
Neue Technologien ermöglichen Regierungen innovative Lösungen anzuwenden, um bessere, schnellere und kostengünstigere Dienste anbieten zu können. Wir haben fünf Empfehlungen, mit deren Umsetzung der öffentliche Sektor in Europa innovativer werden kann:

  • Aktivieren: Legen Sie das Fundament mit einer gemeinsamen digitalen Infrastruktur.  Diese Basis ist nötig, um die digitale Transformation über Geschäftseinheiten, Behörden und Ebenen hinweg zu ermöglichen.
  • Anlocken: Wechseln Sie vom Kundenservice zum individuellen Service: Dienstleistungen, die die Nutzer ansprechen und einbinden, bringen diese nicht nur online, sondern halten sie auch dort
  • Erschließen: Machen Sie Online-Services verpflichtend. Die digitale Nutzung sollte zum Standard werden.
  • Weiterbilden, weiterbilden, weiterbilden: Fachkräfte, Beamte, Führungskräfte und Nutzer müssen in ihren digitalen Kompetenzen geschult werden.

 

Pressemitteilung zu aktuellen Ergebnissen des eGovernment Reports

Mehr zu unserer Sicht auf eGovernment lesen Sie in der englischsprachigen Broschüre „Let‘s get radical“ 

 

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